Bestattungspflicht bei Abort

Abtreibung und Abort

Bestatter haben hin und wieder Eltern von Lebend-, Fehl- oder Totgeburten zu betreuen. Hierbei sind die bestattungsrechtlichen Regelungen den Bestattern meist bekannt. Es gibt jedoch auch Situationen, die zur professionellen und rechtlich korrekten Durchführung, eine genauere Heranziehung der aktuellen Gesetzgebung erfordern. Hierzu ein Beispiel aus der Praxis.

Situation nach dem BestattG BW

Die Eltern eines verstorbenen Fötus finden sich bei einem Bestatter ein. Sie wünschen eine Erdbestattung ihres verstorbenen Kindes. Nach Rückfrage des beratenden Bestatters sind soweit folgende Eckdaten bekannt:

  • Fötus verstorben in einer Klinik
  • Gewicht 230 Gramm
  • Medizinische Abtreibung
  • Laut Todesbescheinigung eine Lebendgeburt

Es liegt folgende Situation vor

Nach dem BestattG Baden-Württemberg gilt eine Gewichtszahl kleiner 500 Gramm als Fehlgeburt und muss deshalb nicht bestattet werden. Da jedoch eine Lebendgeburt stattgefunden hatte spielt das Gewicht des Fötus keine Rolle. Auch die Totgeburt wird sowohl durch das zu geringe Gewicht als auch durch die Lebendgeburt ausgeschlossen. Aufgrund der Lebendgeburt besteht Bestattungspflicht.

Das Spezielle an diesem Fall ist die medizinisch indizierte Abtreibung des Fötus. Nach dem Bestattungsgesetz Baden-Württemberg gelten bei einem Schwangerschaftsabbruch auch Lebendgeborene Babys als Fehlgeburten. Dies betrifft jedoch nur die Bestattungspflicht. Das zuständige Standesamt behandelt den Fall weiterhin nach den gesetzlichen Regelungen einer Lebendgeburt. Es ist also jeweils die Geburt und der Tod des Babys beim Standesamt anzuzeigen.